Gedenken

Im Jahre 1919 litt man unter den Nachwehen eines Weltkrieges, fast jeder war betroffen, hatte einen Verlust erlitten und der Gedanke an einen Tag der Trauer, des Stillehaltens fiel auf fruchtbaren Boden. Die damit verbundene Hoffnung auf dauernden Frieden dauerte nicht mal ein Vierteljahrhundert. Als der Pazifist Gandhi empfahl: »Wo man nur die Wahl hat zwischen Feigheit und Gewalt, würde ich zur Gewalt raten« sah er nicht, dass es Menschen sind, die Gewalt einsetzen, wie religiöse Fantasten, die mit Gewalt ihre anachronistisch reaktionären Vorstellungen durchzusetzen versuchen oder angebliche Volksvertreter, die unter dem Deckmantel von nationalen Interessen eigene gesellschaftliche und rechtliche Standards anderen aufzwingen wollen.

Und dann sind es die Soldaten, die die sich daraus ergebenen Schulden bezahlen, mit ihrer Gesundheit oder gar dem Leben.

Als im November 2009 endlich klare Worte für den Afghanistan-Einsatz der Deutschen fielen: „Deutschland ist im Krieg“ gab es mediale Aufruhr, die aber nicht lange dauerte, denn man war froh, dass die „Front“ ganz weit weg ist und dass ja „nur ein paar“ deutsche Soldaten dort ihr Leben riskieren für – was war es noch mal? Fast 7.000 deutsche Soldatinnen und Soldaten sind derzeit im Auslandseinsatz und erfüllen dort einen politisch legitimierten Auftrag. Dieser Auftrag wird meist nur dann wahrgenommen, wenn sich eine Schlagzeile lohnt. Mehr als 100 Bundeswehrangehörige sind bisher ums Leben gekommen.

„Wer vergessen wird, stirbt ein zweites Mal!“, es sollte sich jeder bewusst sein, dass der Volkstrauertag kein Relikt aus vergangenen Zeiten, sondern bestürzend aktuell ist und deshalb steht man wenigstens einmal im Jahr an einem besonderen Platz - gegen das Vergessen.

Wir uns daran gewöhnt, dass Erinnerung und Verdrängung zu unserer deutschen Psyche gehören, wir betreiben eine Gedenk-Kultur ohne Erinnerung. Statt das Undenkbare zu denken und GeDenken, machen wir Schuld zur Erbschuld.

Es heißt auch immer noch Volkstrauertag, Volksgedenktag wäre eigentlich angemessener, zeitgemäßer. Auch weil wir uns über die gegenwärtige Bedeutung der Vergangenheit bewusst werden müssen.

Wenn das Gedenken an gefallene Soldaten und ihre Opfer einen politischen Sinn haben soll, dann doch den, sich für ein friedliches Zusammenleben der Menschen einzusetzen „und es im schlimmsten Falle mit Waffengewalt erzwingen“.

Statt historische Fakten einzuordnen, wird zu Tribunalen über die moralische Haltung der Bürger geblasen. Die Gedenkfähigkeit wird zum Ausweis für gute deutsche Identität und die Geschichte wird sich so wiederholen.

Die Reservistenkameradschaft Finthen bekennt sich zu den historischen Fakten und wird durch die Teilnahme an den Gedenkfeiern nicht nur den gefallenen Kameraden gedenken, sondern auch den Mitgliedern der Kameradschaft, .

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