Mainz war über Jahrhunderte als bedeutende Festungsstadt bekannt. Vor und während des 1. Welt-krieges entstand hier und im Umland eine der wichtigsten Festungen des Deutschen Reiches. Nach den Vorstellungen der Reichsregierung waren Mainz und Rheinhessen ein denkbarer Kriegsschauplatz. Bis 1916 wurden auf einer Länge von 26 km mehr als 350 Festungsanlagen, Wasserwerke und Fernmeldestationen errichtet, die sich halbkreisförmig durch das rheinhessische Umland erstreckten, bekannt als die Selzstellung für eine Besatzung von etwa 25.000 Mann.

Die Versorgung der Anlagen lief über Militärstraßen und Eisenbahnen. Die Planung und der Bau der Eisenbahnen (und einer Zahnradbahn) wie auch der anderen Gewerke ist exemplarisch für die Tatkraft in dieser Zeit. Am 16. Mai 1908 wurde in Hechtsheim die Streckenführung vorgestellt, am 21. November 1908 wurde der Vertrag über den Bau mit den betroffenen Gemeinden geschlossen.

Nicht einmal 12 Monate nach der Vorstellung der Pläne, im April 1909, begann der Bau der 3 Strecken, insgesamt 49 Kilometer.

Die Festungsanlagen verfügten über eine eigene Strom- und Wasserversorgungen, das führte dazu, dass die betroffenen Gemeinden bereits 1908 an Wasser- und Stromversorgungen angeschlossen wurden.

 Nach dem Ersten Weltkrieg war das Ende der Festung Mainz und damit auch der Eisenbahnen besiegelt. Aufgrund der Bestimmungen des Versailler Vertrages aus dem Jahre 1919 mussten alle Festungswerke zerstört werden, dafür wurde ein Entfestigungsamt Mainz geschaffen. Die Anlagen wurden bis 1922 gesprengt, die Trümmer von "Notstandsarbeitern" in mehr als 629 Tagewerken beseitigt und beispielsweise für die Befestigung von Straßen verwendet, der verbleibende Rest war aber noch viele Jahre spannende Spielplätze für Kinder und Jugendliche.

Ein Teil der Festungsgewerke wurde weder gesprengt noch anderweitig beseitigt. Die Gründe dafür liegen sehr im Dunklen, war kein Geld mehr vorhanden oder fand man keine Verwendung mehr für die Reste? Es gibt auch die starke Vermutung, dass die Sprengung und Beseitigung zwar in Rechnung gestellt, die Durchführung aber einfach „vergessen” wurde. Die Anlagen wurden einfach zugeschüttet, unter Müll, Laub und Erde versteckt.

In Rheinhessen hatte es bis 1918 so gut wie keine Kriegshandlungen gegeben, der erste Weltkriedg war für den größten Teil der Bevölkerung nur aus der Zeitung, der Frontberichterstattung oder von urlaubenden Soldaten bekannt. Nach Kriegsende wurde zwar an der Beseitigung des Festungswerkes gearbeitet, aber die Erinnerung an die Festung Mainz und die damit verbundenen Kriegspläne verschwanden sehr schnell aus dem Bewusstsein der Region.

Reste der Festungsanlagen blieben aber vorhanden, unter anderem einer von zwei Wasserbunkern etwa 500 Meter südwestlich des Schießstandes in Wackernheim. Der Landesarchäologe Dr. Gerd Rupprecht erwarb von der Verbandsgemeinde Heidesheim einen 1850 Quadratmeter umfassenden Erdhügel unweit der amerikanischen McCully-Kaserne für den symbolischen Preis von einem Euro. Unter dieser, von Akazien bewachsene Anhöhe liegt der (unser) Wasserbunker.

Begraben unter Erddreich, Abfall und vor allem anderem von Problemmüll.

Der Landesarchäologe Dr. Gerd Rupprecht erwarb von der Verbandsgemeinde Heidesheim einen 1850 Quadratmeter umfassenden Erdhügel unweit der amerikanischen McCully-Kaserne für den symbolischen Preis von einem Euro. Unter dieser, von Akazien bewachsene Anhöhe liegt der (unser) Wasserbunker, begraben unter anderem von Problemmüll.

Im November 2007 kam Gerd Rupprecht auf die Reservistenkameradschaft zu, um zu fragen, ob wir Lust hätten, den noch guterhaltenen Wasserbunker auszugraben. Unser Interesse wurde geweckt und gleich eine Vorbesprechung mit anschließender Besichtigung vereinbart.

Im Mai 2008 begannen wir mit dem Freilegen des Eingangs und drangen ins Innere des Bunkers vor. Durch den Versuch in der Vergangenheit den Bunker mit schwerem Gerät einzureißen, lag allerhand Schutt im Eingangsbereich und im Treppenbereich. Es musste viel geräumt werden. Anschließend wurde ein provisorisches Dach angebracht, welches leider schnell wieder von Vandalen abgerissen wurde. Im November fand dann eine Begehung mit MdB Michael Hartmann, Vertretern der Gemeinde Wackernheim und Ingelheim und natürlich der Presse statt.

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