Nachdenkliche Eindrücke

Die Deutsche Kriegsgräberstätte Ysselsteyn in der Provinz Limburg ist der größte Soldatenfriedhof in den Niederlanden und der einzige Friedhof für deutsche Soldaten. Dort sind 31.598 gefallene Soldaten, hauptsächlich aus dem Zweiten Weltkrieg, bestattet. Aber es gibt auch ein Denkmal und Grabsteine für 85 Soldaten, die schon während des Ersten Weltkrieges gefallen sind. Der Friedhof wurde 1946 durch den Niederländischen Gräberdienst angelegt, um für die deutschen Gefallenen eine würdige gepflegte Ruhestätte einzurichten. Der Anblick des riesigen Friedhofes ist beeindruckend. Die meisten Kreuze sind mit einem Namen versehen, einige tragen aber nur die Aufschrift „Ein Deutscher Soldat”, denn von einer ganzen Reihe von Toten weiß man den Namen nicht.

Der pädagogische Mitarbeiter der Deutschen Kriegsgräberstätte Sharis Shelde, stellte in einer beifallswürdigen Führung einzelne Gräber und ihren Hintergrund vor.

Zum Nachdenken regt an, wenn man erfährt, dass auch im 2. Weltkrieg bereits Kindersoldaten eingesetzt worden waren. 1400 liegen auf diesem Friedhof, wobei der jüngste gerade 14 Jahre alt wurde.

Das Gräberfeld ist mit Rasen bedeckt und man sieht Bäume in Lücken zwischen den Grabkreuzen. Wenn Gefallene nach Deutschland umgebettet wurden, pflanzten die Niederländer in diese Lücke einen Baum.

Die Niederländer pflegen einen besonderen Umgang mit den deutschen Soldaten, die hier begraben liegen. Sie werden nicht thematisiert und man widersetzt sich allen Bestrebungen,die Gefallenen für das eine oder das andere Extrem einzunehmen. Zumal auch viele Niederländer, in die Wehrmacht eingetreten und für Deutschland gefallen, ihre letzte Ruhestätte hier fanden.

Die Eindrücke und die Geschichten sind beeindruckend, wie etwa die des Carillons, die vom Kapitain (Hauptmann) Lodewijk Johannes Timmermans und die des Gingkobaums am Eingang.

In der Stille des Friedhofs hört man alle halbe Stunde ein Glockenspiel von einem Carillon mit 25 Glocken, in fünf Stahlkonstruktionen hängend. Initiiert von der Mutter eines Gefallenen konnte nach einer erfolgreichen Spendenaktion 1960 das Glockenspiel eingeweiht werden.

Kapitän Lodewijk Johannes Timmermans hatte im Zweiten Weltkrieg gegen das deutsche Militär für die Niederlande gekämpft. Nach der deutschen Besetzung 1940 schloss er sich einer niederländischen Widerstandsgruppe an. 1945 wurde er durch die Explosion einer Holzmine verletzt und verlor vorübergehend seine Sehkraft.

In einem kanadischen Pflegeheim musste er das Zimmer mit einem deutschen Offizier teilen, der sich auch nach seiner Genesung weiter um Timmermanns kümmerte. Das Bild Timmermans von deutschen Soldaten beruhte bis dahin auf vielen Vorurteilen, die jetzt verschwanden. Timmermanns wurde ein wichtiges Bindeglied in der deutsch-niederländischen Aussöhnung und bekannt als Vater des Soldatenfriedhofes Ysselsteyn. Er starb 1995 und nach seinem letzten Wunsch wurde seine Asche über den Friedhof verstreut.

Am Eingang lädt ein Gingkobaum zum Stillehalten ein. Ein Gingkobaum trug ein Jahr nach dem Atombombenabwurf als Zeichen der Hoffnung in Hiroshima wieder grüne Blätter. Der in Ysselsteyn wurde 1995 gepflanzt.

Und dann noch ein Sonnenuntergang über den Gräbern - ein Licht, dass niemanden wegsehen lässt, in einer Atmosphäre die unter die Haut geht.

Jean-Claude Juncker am 4. Juni 2005:

Wer an Europa zweifelt, wer an Europa verzweifelt, der sollte Soldatenfriedhöfe besuchen! Nirgendwo besser, nirgendwo eindringlicher, nirgendwo bewegender ist zu spüren, was das europäische Gegeneinander an Schlimmstem bewirken kann.

Das Nicht-Zusammenleben-Wollen und das Nicht-Zusammenleben-Können haben im 20. Jahrhundert 80 Millionen Menschen das Leben gekostet. Jede Stunde des Zweiten Weltkrieges hat 1045 Tote gebracht.

Dem braucht man nichts mehr hinzufügen

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