Camping militärisch?

Fast alle größeren Ortschaften im Abendland waren im Laufe ihrer Geschichte in kriegerische Auseinandersetzungen verwickelt oder mussten sich gegen Raubzüge aus fern und nah verteidigen. Daher wurden immer mehr Orte mit Mauern und eingelassenen Toren gesichert. Waren zu Anfangs noch die Bürger zu Wachdiensten verpflichtet, wurden im Laufe der Zeit so etwas wie Stadtwachen aufgestellt, die in festen Gebäuden innerhalb der Mauern untergebracht waren. Irgendwann reichte es nicht mehr aus und es wurden auf einer freien, schussfeldgewährenden Fläche vor der Stadt Beiwachen aufgestellt. Diese Beiwache hatte die Aufgabe, schon frühzeitig einen anrückenden Feind auszumachen und erste Abwehrmaßnahmen zu treffen.

Da es auf der Fläche keine Gebäude gab, musste die Beiwache in Zelten kampieren.

Aus dem deutschen Wort »Beiwacht« entwickelte sich der zweiten Hälfte des 17 Jahrhundert das flämische »Bijwacht« und später im französischen die Bezeichnung »Bivouac«. Irgendwann kehrte der Begriff aus dem französischen wieder in den deutschen Sprachgebrauch als »Biwak« zurück.

Eigentlich ist der Begriff Biwak überholt, hat mit dem Schleifen der Befestigungsanlagen ausgedient, aber es hat sich eine gebräuchliche Ausdehnung, auch auf Zivilisten ergeben, man sieht hier eine andere Art des Campings.

Zieht nun der Normalbürger mit Kind und Kegel, Hund, Meerschwein, Goldfisch und der Leinwandvilla auf den Campingplatz, begibt sich der Reservist, der Soldat in das etwas rustikalere Biwak.

Zur Biwakausrüstung der Soldaten gehörten schon immer die Zeltbahn, eine Wolldecke, später im ausgehenden 19. Jahrhundert der Schlafsack, teilweise ab den 1940er Jahren ein Biwaksack sowie Ess- und Kochgeschirr mit Esbit-Kocher und das war es im großen und ganzen.

Aber warum in's Biwak?

Natürlich ist es bequemer zu Hause auf der Couch, natürlich gucken einen Bekannte vielleicht etwas schräg an, schließlich hat man ja auch ein Zuhause, ein bequemes Bett und muss das eigentlich nicht tun.

Doch, man muss es nur einfach machen, immer wieder, einmal infiziert gibt es kein zurück.

Die Atmosphäre eines Biwaks einem außen Stehenden zu beschreiben ist schwer, sehr schwer. Der Kameradschaftsgeist ist unbeschreiblich wohltuend, die Rückbesinnung an Luft und Wetter, Licht, Nacht und Dunkelheit, die Gespräche im Kreis der Gleichgesinnten sind wie ein Reset-Button, Reaktivierung des eigenen Ichs.

Man muss sich das richtig vorstellen: die Vergangenheit, jener Teil des eigenen Lebens der nicht hierher gehört, ist weggepackt. Die Tür hinter einem ist abgeschlossen, in der Gewissheit, ab jetzt ist man in einer anderen Welt, ohne Telefon, Fernseher, ohne Schlange im Supermarkt. Die nächsten Tage nur das eigene Ich im Kreise der Kameraden, man wird süchtig.

Natürlich ist das auch jahreszeitlich eine Geschichte für sich, im Herbst oder Frühjahr, wenn die Natur wie erstarrt ist. Wenn es tagelang geregnet hat, so ein scheußlicher Sprühregen, der sich einem wie eine Erkältung aufs Gemüt legt. Wenn das Gras vor Nässe glänzt und der Boden weich und nass ist. Wenn aus den Stiefeln die Kälte in die Hosenbeine kriecht, sich einnistet und durch die Haut in alle Knochen dringt.

Wenn dann aber das Feuer wärmt, ob vom Grill oder als Lagerfeuer, wenn einem wohlig von innen und außen warm wird, dann weiß man, Goethe hatte recht:

»Hier bin ich Mensch, hier darf ich's sein.«

Es gibt angeblich wissenschaftliche Untersuchungen, wonach sich bei derartigen Unternehmungen der Puls um bis zu 3.500 Herzschläge am Tag senkt und damit das Infarkt-Risiko vermindert. Auch wenn es nicht belegt wird, es ist einfach so.

Schauen Sie auch mal hier rein.

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